Warum überhaupt

Mobility?

Brauche ich das wirklich? Ist das nicht so ein Frauending?

Mobilitätstraining wird ab 40, besonders für Schreibtischtäter wie mich, immer wichtiger, um Beweglichkeit, Haltung und Schmerzfreiheit zu erhalten. Langes Sitzen verkürzt Muskeln, versteift Gelenke und kann zu Rückenschmerzen oder Haltungsschäden führen. Regelmäßiges Dehnen, Yoga oder Mobility-Übungen verbessern die Flexibilität, fördern die Durchblutung und reduzieren Verletzungsrisiken. Zudem unterstützt eine gute Beweglichkeit die Leistungsfähigkeit im Krafttraining, verhindert Dysbalancen und hält den Körper alltagstauglich.
Wer beweglich bleibt, fühlt sich jünger, agiler und leistungsfähiger - egal ob im Sport oder im Alltag

Rückenschmerzen? Nein,danke!

Nachdem ich über die Jahre feststellen musste, wie ich immer mehr einroste, was die Beweglichkeit angeht (jedes Bücken fällt schwer, beim Schuhe anziehen geht es los), kamen dann auch noch Rückenschmerzen dazu. Übelste Schmerzen im oberen Brustwirbelbereich - einfach nur vom Rumstehen. Jetzt befürchtet man natürlich erst mal schnell sowas wie einen Bandscheibenvorfall oder ähnliches...
Durch Zufall stolperte ich über ein YouTube-Video, wo jemand genau meine Symptome schilderte. Und tatsächlich - der gute Mann hatte Recht. Zwei Wochen dessen Anweisungen befolgt, und die Rückenschmerzen waren komplett verschwunden. Und Schuhe anziehen klappt auch wieder problemlos 😉 

Des Rätsels Lösung: Die hintere Kette

Auch wenn Schmerzen in den verschiedensten Körperbereichen auftreten können, liegt die Ursache oft in einer geschwächten hinteren Kette - einer Muskelkette, die vom Nacken bis zu den Füßen verläuft und für Stabilität, Haltung und Beweglichkeit sorgt.

Diese Kette umfasst:

  • Ischias & Piriformis: Der Ischiasnerv ist der längste Nerv des Körpers und kann durch einen verkürzten oder verspannten Piriformis-Muskel (ein tiefliegender Gesäßmuskel) gereizt werden – was zu Schmerzen im unteren Rücken oder bis ins Bein führen kann.
  • Oberschenkelrückseite (Hamstrings): Diese Muskeln sind oft verkürzt, besonders bei Menschen, die viel sitzen. Das zieht an der Hüfte und kann Rückenschmerzen verstärken.
  • Gesäßmuskulatur: Ein schwacher Gluteus bedeutet weniger Stabilität im Becken – der untere Rücken muss kompensieren, was zu Verspannungen und Schmerzen führt.
  • Rückenstrecker & Schulterblattmuskulatur: Eine schwache obere Rückenmuskulatur sorgt für eine schlechte Haltung und kann Schmerzen im Nacken- und Brustwirbelbereich verursachen.


Die hintere Kette verbindet den gesamten Körper - Probleme an einer Stelle können Schmerzen an einer ganz anderen Stelle auslösen. Ein unbeweglicher Piriformis kann Rückenschmerzen verursachen, verkürzte Hamstrings die Hüfte blockieren oder eine schwache untere Rückenmuskulatur zu Verspannungen im Nacken führen.

Für mich hat sich das hier wie ein kleines Wunder angefühlt - bisschen Dehnen und so, was soll das groß helfen... Hab doch 20 Jahre Fußball gespielt und damals genug gedehnt für zwei Leben... Was soll das denn mit dem oberen Rücken zu tun haben?

Ich bin so meine Rückenschmerzen losgeworden, konnte mich wieder frei bewegen und sitze ganz anders auf meinem Bürostuhl. Durch die allmorgendliche Aktivierung bin ich den ganzen Tag über auf einem viel höheren Energielevel in der Bewegungsausführung.  Ich fühle mich dadurch stärker als je zuvor - und mein Körper dankt es mir jeden Tag!

Im Folgenden zeige ich Dir die GRUNDübungen meines Daily-Yoga. Meine persönliche Back-in-Action-Routine, die nach und nach erweitert und perfektioniert wurde. Das Ganze funktioniert am besten in Kombination mit den entsprechenden Beinübungen wie Squats und Deadlifts, da die Kräftigung fast noch wichtiger ist als das Dehnen in diesem Bereich.
Du musst es jeden Morgen direkt nach dem Aufstehen machen, sonst wirst Du schnell feststellen, dass "erst mal noch einen Kaffee" usw. dazu führen wird, dass Du es am Ende gar nicht mehr machst. Abends ist besser als nichts, aber nur die Morgenroutine stellt sicher, dass Du den ganzen Tag über davon profitierst. Die 10 Minuten sollte jeder haben!
Alle Übungen langsam angehen und immer weiter in die Dehnung kommen; jeweils 2-3 Durchläufe bei denen 10-20 sek gehalten wird. Du wirst sehr schnell Fortschritte bemerken!

Rumpfstabilität macht den Unterschied! Hände an die Fersen und die gesamte Körpermitte anspannen: Bauchmuskeln, unteren Rücken, Oberschenkel und den guten alten Gluteus. Keine Brücke machen, also nicht zu stark ins Hohlkreuz gehen. Der obere Brustbereich bleibt relativ flach liegen...

Hier kracht es so richtig schön im Gebälk! Leg Dich flach auf den Rücken und strecke einen Arm vom Körper weg. Dann hebst Du das Knie auf dieser Seite an und führst es mit dem anderen Arm langsam runter zur entgegengesetzten Seite. Schön "reinatmen" wie beim klassischen Yoga: Bei jedem (langsamen) Ausatmen ein kleines Stückchen weiter runter...

Piriformis - mein Quälgeist schlechthin... Ein Bein vor dem Körper anwinkeln, das andere nach hinten strecken. Das Gewicht durch leicht nach vorne geneigten Oberkörper auf das vordere Bein geben. Jetzt sollte die Dehnung voll auf den PF gehen. Hierbei ruhig ins Hohlkreuz. Das hintere Bein durchstrecken, bis auch hier eine dezente Dehnung im Oberschenkel spürbar ist. 

Eigentlich die archetypische RUHESTELLUNG, ist sie heute vielen kaum noch möglich: Die einfache Hocke. Auf die Fußsohlen und ganz runter mit der Kiste. Ich habe hierbei selber noch einen weiten Weg vor mir, wie unschwer zu erkennen ist... Zusätzlich zur reinen Hocke dehne ich hier noch die Adduktoren (Beininnenseite) nach außen weg und öffne den Brustkorb weit durch den nach hinten gestreckten Arm.

Tipp:

Ergänzt werden kann das Ganze natürlich durch weitere Dehn- und Yoga-Übungen, aber auch durch ein paar leichte Warm-Ups wie z.B. aus der Hocke heraus in die volle Streckung mit ausgestreckten Armen gehen a.k.a. Burpees in Zeitlupe.
So hast Du gleich die richtige Betriebstemperatur für den Start in den Tag!